Préfailles

Juli 13, 2008

So, nach der langen Flaute auf unserem Weblog, geht es jetzt wieder richtig los. Wir sitzen gerade in Antwerpen im Megabyte-Internetcafe, was im Vergleich zu allen anderen Internetcafes wirklich Mega ist, schnell und guenstig!

Nachdem wir nach einer enspannten Zugfahrt um ca. 19.30 in Pornic, der naechsten Stadt mit eigenem Bahnhof angekommen waren, mussten Rene und ich (Max) uns erstmal wieder ein bisschen orientieren, wir waren ja beide schonmal dort gewesen. Wir dachten, wir koennten die Strecke am Meer langlaufen, doch ein Blick auf die Karte zerstoerte unseren Traum, 10 Kilometer mit den schweren Rucksaecken war uns doch zuviel an diesem Abend. Daher machten wir uns auf den Weg zum Ortsausgang richtung Prefailles, um den Daumen hinauszuhalten. Doch wir merkten schnell, zu dritt trampen mit Rucksaecken mit Ausmassen von Grundschulkindern ist nicht so leicht. Unzaehlige Autos rasten an uns vorbei, die Fahrer mit Gesichtsausdruecken von Mitleid bis Belustigung. Nach einiger Zeit beschlossen wir, entlang der Landstrasse schoneinmal in die richtige Richtung zu gehen. Nach ca. einer weiteren halben Stunde nahm uns eine nette Franzoesin die allein unterwegs war mit. Sie haette uns sogar bis zum Campingplatz gefahren, doch wir wollten sie nicht zu sehr ausnutzen und gingen das letzte Stueck von der Landstrasse bis zum Campingplatz. Dort angekommen umfing Rene und mich sofort ein gefuehl von Heimat und auch Malte schien den Charme dieses Wunderschoenen kleinen Campingplatzes sofort zu spueren. Die Rezeption hatte schon geschlossen und so machten wir uns auf die suche nach einer Englischsprachigen Person, die sich verantwortlich fuehlte.

(Man muss wissen, dass der Campingplatz den Naturfreunden gehoert und von Vereinsmitgliedern selbstverwaltet wird.)

Ein netter aelterer Herr, einer der wenigen Franzosen dort, die wenigstens ein bisschen englisch sprechen hoerte uns kurz an, ging dann fort, kam zurueck und meinte ,,a beatiful young woman“ wuerde uns gleich empfangen.

Dem war auch so. Es war Zoe, eine nette junge Franzoesin, die ich schon vom letzten Mal, und Rene von den letzten Malen kannte. Nach einer herzlichen Begruessung (beide Seiten schienen sich wirklich ueber das Wiedersehen zu freuen) gab sie uns alle wichtigen Instruktionen und Informationen die wir brauchten:

,,Ihr koennt euer Zelt aufbauen wo ihr wollt, viel Spass!“

Wir suchten uns einen schoenen Platz mit Blick auf den Atlantik, legten unsere Rucksaecke ab und gingen ersteinmal an den Strand um Abendbrot zu essen, wir hatten noch ein Baguette und Aufschnitt aus Arcarchon mitgebracht. Wir waren gluecklich, gut angekommen zu sein und sehr entspannt. Wenn alles nicht  so konkret geplant ist, ist man oft etwas angespannt. Die Entspannung, wenn dann doch alles klappt, ist dafuer um so groesser. Kurz vor der Daemmerung gingen wir zurueck um das Zelt noch im hellen aufbauen zu koennen. Waehrend des Aufbaus bekamen wir sowohl von Zoe als auch von ein paar netten Hollaendern, von denen ihr spaeter noch mehr hoeren werdet einen Hammer gebracht.

Danach spielten wir noch eine kleine Runde Skat und gingen recht frueh ins Bett. Nachts fing es dann ordendlich an zu regnen, was uns nicht gerade erfreute. Camping und Regen sind eine schlechte Kombination!

Am naechten Morgen war es sehr Bewoelkt, aber immerhin trocken. In der gesamten Woche wurden unsere bis jetzt recht hohen Ansprueche an das Wetter ziemlich zurueckgeschraubt. Insgesamt hatten wir 2-3 mal laengere Sonnenphasen, bis auf zwei naechte hat es immer geregnet und auch tagsueber gab es oft Regen. Das schlimmste war aber, dass das Wetter voellig unberechenbar war. Es konnte in einer Minute noch die Sonne scheinen, in der naechsten wieder regnen. Immerhin konnten wir so einige Regenbogen sehen. Ihr seht schon, wir sind immernoch recht optimistisch geblieben. Wir waeren wahrscheinlich bald wieder abgereist, wenn nicht die vielen netten leute dort gewesen waeren, die mit ihrem Sonnigen Gemuet das schlechte wetter kompensieren konnten.

Am ersten Morgen trieb der Hunger und die gaehnende Leere in unserer nicht vorhandenen Vorratskammer Malte und mich wieder nach Pornic um im Super-U, einem riesigen Supermarkt einzukaufen. Zu zweit und mit nur einem Rucksack ging das trampen schon etwas leichterm obwohl die Franzosen in dieser Hinsicht nicht die hilfsbereitesten zu seien scheinen. Nach geschlagenen drei Stunden kehrten wir mit einem mit Delikatessen prallgefuellten Wanderrucksack wieder zurueck und brunchten ausgiebig. Kurze zeit spaeter kam Peter, ein 62 Jahre junger Hollaender und drueckte uns so schnell drei eisgekuehlte Heineken-Dosen in die Hand, dass wir garnichts sagen konnten. Peter war mit seiner Frau Hettie, seiner Tochter Pamela, ihrem Mann Maupie (Maurice) ihren drei Kindern sowie zwei guten Freunden Hank und Ivonne und deren Tochter mit Mann und Kind fuer mehrere Wochen dort. Ein riesiger Hollaender-Clan also, ausnahmslos alle supernett und hilfsbereit. Ihre schon fast beschaemende Grosszuegigkeit und Gastfreundschaft verfolgte uns die ganze Woche. Ohne diese netten Leute waere unsere Woche in Prefailles wohl nicht halb so komfortabel gewesen. Wir konnten uns von ihnen Toepfe zum Kochen leihen, bei ihnen Handy und Ipod aufladen und sie boten uns sogar ihren Gasgrill an, ohne dass wir danach fragten. Darauf grillten wir zwei wundervolle Doraden die wir auf dem Markt kauften und in ein Bett aus Gemuese und Kraeutern in Alufolie wickelten.

Sie nahmen uns im Auto mit zum Super-U, zum Markt nach Pornic und Peter brachte uns am letzten Tag sogar zum Bahnhof, damit wir nicht wieder trampen mussten.

Wir wollten uns fuer diese ruehrende Gastfreundschaft bedanken und schlugen vor, am letzten Abend fuer sie zu kochen. Peter sagte, er wuerde mit den anderen darueber reden und uns spaeter Bescheid sagen. Als wir ihn erneut darauf ansprachen hatten sie schon ein Grillfest geplant und wir konnten sie nicht davon abbringen uns schonwieder einzuladen. Immerhin durften wir uns mit einem grossen gruenen Salat und einem Kasten Bier beteiligen.

Es war uns wirklich ein bisschen unangenehm, aber man hatte das Gefuehl, dass sie uns gerne eingeladen haben und so konnten wir ein unglaublich ueppiges Gillfest geniessen. Danach sassen wir noch mit ihnen und tranken Bier, Wein, Schnapps, Liquer und Cognac queerbeet (was fuer sie voellig normal zu sein schien), bis Peter als letzer der Hollaender nach einem letzten Schlafmuetzje-Cognac ins Bett ging.

Danach gingen wir zur zweiten Meute, die uns den Aufenthalt in Prefailles versuesste, die jungen Franzosen (und nicht zu vergessen zwei Beliger). Eine sehr Lustige Truppe, ca 15 Leute von ca 14-25 jahren, die dort jedes Jahr ihre langen Sommerferien verbringen. Leider sprechen nur Zoe und Yannou, ihr Freund mehr als 3 Brocken Englisch und wir nicht mehr als 3 Brocken Franzoesisch. Doch nachdem alle Hemmungen gefallen waren sich mit Haenden und Fuessen zu verstaendigen, war das auch kein Problem mehr. Mit dieser verrueckten Truppe verbrachten wir einige Abende am Strand um ein Feuer sitzend oder bei schlechterem Wetter im als Partyraum missbrauchten Kuechenhaeusschen.

Gleich am zweiten Abend luden sie uns ein mit ihnen zum Strand zu kommen, wir nahmen dankend an und freuten uns nach dem Abendbrot zum Strand zu gehen. Leider schmeckte Malte und mir der Wein zu gut, den wir im Super-U im 5 Liter-Schlauch gekauft hatten. Da Rene nicht so gerne Wein trinkt hat er es dann auch noch zum Strand geschafft, waehrend wir vorm Zelt auf unseren Isomatten einschliefen und auch von einer laermenden truppe Franzosen nicht mehr wachzukriegen waren. Ich  wachte mitten in der Nacht auf, kroch ins Zelt und als ich am naechsten Morgen erwachte, lag auch Malte neben mir. Natuerlich liessen sich Rene und die Franzosen es nicht entgehen uns die naechsten Tage damit aufzuziehen. Nach diesem leichten eingestaendnis der Schwaeche mussten wir natuerlich das Klischee der trink- und standfesten Deutschen untermauern, indem wir beim naechsten mal als letzte den Kuechen, aeh… Partyraum verliessen.

Am vorletzten Tag in Prefailles nahmen Yannou und Zoe uns mit in ihre Wohnung in Nantes, wo sie einige Sachen erledigen wollten. Wir wollten die Gelegenheit nutzen um unsere weitere Reise zu planen und fuer das Grillfest am Abend einzukaufen sowie unser neues Interrailticket zu loesen. Der urspruengliche Plan wurde aber durch mehrere Faktoren immer weiter zerstoert. Zuerst sorgte die lange Feiere am Vorabend dafuer, dass wir statt um 12 erst um 2 losfuhren, wobei zu sagen ist, dass dafuer die Franzosen verantwortlich waren, wir standen um 12 geduscht und gestriegelt in den Startloechern.

Wir hatten uns fuer halb 7 mit den Hollaendern verabredet.

Nach ca. einer Stunde fahrt kamen wir um 3 uhr in Nantes in der Wohnung von Zoe und Yann an. Wir hatten also noch ca. 3 1\2 Stunden um alles zu erledigen und zurueckzufahren. Die Zeit reichte gerademal um einzukaufen und das Hotel in Paris zu Buchen, wofuer Zoe netterweise ihre Kreditkartennummer angab, ohne die wir nicht buchen konnten (Die Kreditkarte steht auf Nummer 1 der Liste der Dinge, die auf der naechsten Interrailtour unbedingt dabei sein muessen!) und um einkaufen zu gehen. Auf dem Rueckweg wollten wir dann noch schnell die Interrailtickets loesen. Leider machte uns die Polizei von Nantes einen Strich durch die Rechnung. Man kann ihnen nicht verdenken, dass sie uns anhielten, denn Yannous Wagen ist, man kann es nicht anders sagen, eine uebele Schrottmuehle, wenn auch eine charmante. Er wollte das Auto bald in Zahlung geben und ein neues kaufen und hatte deshalb von der faelligen Hauptuntersuchung abgesehen, was eine lange Diskussion herbeifuehrte und mit einem saftigen Bussgeld und Konfiszierung der Papiere endete. Deswegen konnten wir die Tickets nichtmehr loesen und kamen sehr knapp in Prefailles an um zu Grillen.

Trotzdem hatten wir einen tollen letzten Abend und am naechsten Tag brachen wir auf nach Paris.

Nachdem wir uns von allen verabschiedet hatten und Peter uns am Bahnhof von Pornic abgesetzt hatte, mussten wir leider ein Extraticket bis Nantes loesen, weil in so einem kleinen Provinzbahnhof kein Interrailticket zu bekommen ist. In Nantes angekommen loesten wir nach leichten Uneinigkeiten mit dem Bahnangestellten ein neues Interrailticket fuer die letzten 10 Tage. Als er uns eroeffnete, dass der TGV nach Paris (Schnellzug wie ICE) nur 3 Euro Aufschlag kostete, verwarfen wir unsere Bummelzugverbindung und warteten noch 2 Stunden in Nantes waehrend wir Skat spielten auf den TGV, um komfortabler ohne Umsteigen und immernoch frueher in Paris anzukommen.

Jetzt sind wir in Antwerpen, eine wirklich Charmante Stadt, doch dazu spaeter mehr. Jetzt haben wir genug im Internetcafe gehockt und Wollen die Stadt erkunden. Es ist noch genau eine Woche bis wir wieder in Braunschweig ankommen werden. Wir freuen uns schon riesig!

Also, bis bald ihr lieben! Viele Gruesse, Rene, Malte und Max

Eine Antwort zu “Préfailles”

  1. Rieke sagte

    Ohhh man, ich habe Fernweh bekommen bei dem Artikel! Ihr habt es geschafft mich richtig neidisch zu machen! Würde auch gern mal wieder nach Prefailles! Ich wünsch euch noch super viel Spaß! Bis ganz bald hoffentlich! :-*

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